Doch wie kommt es zu solchen Entwicklungen? Welche Ursachen stehen hinter den Schwankungen der Lernendenzahlen? Und mit welchen Trends ist in den kommenden Jahren zu rechnen? Rahel Räz (Direktorin) und Susanne Möschberger (Leitung Zentrale Dienste) geben Einblick.
Die Anzahl Lernender hängt von verschiedenen Faktoren ab
Von 2019 bis 2023 blieb die Zahl der Klassen in allen Abteilungen relativ stabil. Trotzdem ist die Planung jedes Jahr mit gewissen Unsicherheiten verbunden. Ein Grund dafür ist, dass nicht alle Praxen jährlich Lernende ausbilden. Besonders bei den MPA fällt auf, dass alle drei Jahre deutlich weniger Lernende starten, zuletzt 2018, 2021 und 2024. Warum das so ist, lässt sich kaum erklären.

Auch strukturelle Veränderungen spielen eine Rolle. Kleinere Praxen verschwinden, grössere entstehen. In der Übergangsphase führt bzw. führte dies womöglich jeweils zu einem sinkenden Angebot an Lehrstellen. Doch heute bilden auch Grosspraxen im Durchschnitt gleich viele Lernende aus wie kleinere.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Haltung des Kantons. Während früher schneller eine Klasse bewilligt wurde, gelten heute klarere Vorgaben. Nur wenn genügend Anmeldungen vorliegen, darf eine neue Klasse starten. Umgekehrt kann bei tiefen Zahlen auch eine bestehende Klasse wegfallen.
Wie es zu zusätzlichen Klassen kommt
Sobald das kantonale Amt für Berufsbildung einen neuen Lehrvertrag genehmigt, gelangt diese Information an unsere Schule. Die Schulleitung prüft den Anmeldestand der Lehrverhältnisse, der in einer Statistik festgehalten ist. In der untenstehenden Tabelle sehen Sie den diesjährigen Verlauf der gemeldeten Lehrverträge.

Ende Mai war bereits absehbar, dass bei den DA und MPA der Grenzwert von 155 Lernenden erreicht werden könnte. Ab dieser Lernendenzahl können acht Klassen eröffnet werden. Rahel Räz stellte beim Kanton den Antrag für die Eröffnung zwei zusätzlicher Klassen. Dafür braucht es gute Begründungen, etwa mit Zahlen aus den Vorjahren, aber auch mit Nachweisen über verfügbare Räume. Die Bewilligung kam rasch und die konkrete Stundenplanung konnte beginnen.
Eine organisatorische Herausforderung
Zusätzliche Klassen bedeuten nicht nur mehr Lernende, sondern auch mehr Räume, üK-Infrastruktur, Sportraum und Lehrpersonen. Das ist mit einigen Herausforderungen verbunden.
Am Standort Bern stehen nur sechs Unterrichtsräume zur Verfügung, die den Vorgaben der kantonalen Schulraumstrategie 2030 entsprechen. Auch die Belegungstage müssen gut verteilt werden, da nicht an jedem Wochentag gleich viele Klassen unterrichtet werden können. Besonders knapp sind die üK-Räume wie Labore oder Behandlungszimmer sowie der Sportraum. Sie sind bereits stark ausgelastet und lassen sich kurzfristig nicht erweitern.
Auch bei der Personalplanung braucht es Vorlauf: Die Lehrpersonen melden im Februar ihre Pensenwünsche und die verfügbaren Unterrichtstage. Ende April werden die Pensen bestätigt, basierend auf der Annahme, dass sieben MPA-, sieben DA- und zwei TPA-Klassen geführt werden. „Eine neue Klasse zu eröffnen ist einfacher als eine zu schliessen“, sagt Rahel Räz. Denn weniger Klassen bedeuten weniger Lektionen und somit weniger Lohn für die betroffenen Personen. Bereits zugesicherte Pensen zurückzunehmen, sei daher schwierig.
Mitte Mai wurden die Lehrpersonen informiert, dass es möglicherweise zwei weitere Klassen geben wird und man sich bei Interesse für zusätzliche Lektionen melden solle. Als erstes wurden die freien Lektionen intern verteilt, die restlichen Lektionen wurden von neu angestellten Lehrpersonen abgedeckt. Als letzte Station in diesem Prozess kommt noch die Stundenplanung, obwohl diese Aussage natürlich nicht ganz stimmt. Bereits vor der Bewilligung der beiden Klassen wurde unserem Stundenplaner mitgeteilt, dass er je eine zusätzliche DA- und MPA-Klasse als Platzhalter einplanen solle. Erst im Juni noch zwei Klassen zu ergänzen wäre neben den bereits geplanten Klassen schlicht nicht möglich.
Blick in die Zukunft
Der Trend zeigt klar nach oben: Die Gesundheitsberufe sind gefragt, der Fachkräftemangel wächst und immer mehr Praxen bilden aus. Die be-med hat bereits reagiert und wird ab Februar 2026 zusätzlich über den 3. Stock im Gebäude in Bern verfügen. Mehr dazu erfahren Sie aber zu einem späteren Zeitpunkt, wir werden Sie auf dem Laufenden halten.
Und wie viele Klassen erwarten wir im kommenden Schuljahr? „7-7-2, und falls eine mehr, dann bei den TPA“, tippt Susanne Möschberger. „Nein, ich sage nochmals 8-8-2, unsere Berufe boomen“, kontert Rahel Räz lachend.
Autor: Benjamin Buri