Was bringen Lernende ihren Betrieben ein? Eine Studie untersucht regelmässig das Kosten-Nutzen-Verhältnis verschiedener Berufe. DA- und MPA-Lernende schneiden dabei besonders gut ab.

Eine landesweite Studie nimmt alle paar Jahre das Kosten-Nutzen-Verhältnis verschiedener Ausbildungen unter die Lupe. Die medizinischen Assistenzberufe erweisen sich dabei als überdurchschnittlich produktiv. Die Branchenverbände ordnen die neusten Ergebnisse ein und nehmen Stellung zur Frage, ob sie Auswirkungen auf die Lernendenlöhne haben könnten.

Unsere Wirtschaft profitiert von Betrieben, die Lernende ausbilden: Sie erhalten den Kreislauf des Wissens aufrecht und investieren entscheidend für die Zukunft. Umgekehrt profitieren die Betriebe aber auch von den Lernenden: Viele Lehrabgänger:innen bleiben ihren Ausbildungsstätten treu. Zudem lohnt sich das Ausbilden von Lernenden auch finanziell, wie eine Ende letztes Jahr erschienene Untersuchung zeigt.

Zieht man die Bruttokosten (z.B. Lohn- und Materialkosten) einer Lehrstelle von den erbrachten Leistungen der Lernenden ab, bleibt gemäss Studie ein stattlicher Betrag, der so genannte Nettonutzen, übrig. Im landesweiten Durchschnitt bringen Lernende ihrem Betrieb jährlich 4500 Franken ein.


Erhoben hat diese Zahlen die Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung (EHB). Die Kosten-Nutzen-Analyse erscheint seit dem Jahr 2000 regelmässig. In der Liste der untersuchten Ausbildungen tauchen auch zwei medizinische Assistenzberufe auf, einer davon führt das Ranking der rentabelsten dreijährigen Lehrstellen sogar an (siehe nächste Abbildung).

DA- und MPA-Lernende sind in der Tabelle weit oben zu finden.
Quelle: Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB


Viel Fachkraft-Tätigkeiten bei DA und MPA
 

Bei den Dentalassistentinnen entfällt gemäss Studie in allen drei Lehrjahren die meiste Zeit auf produktive Tätigkeiten, die sonst durch Fachkräfte erledigt werden müssten. Der Anteil steigt im Laufe der Lehre kontinuierlich auf 75 Prozent an (siehe nächste Abbildung). Bei diesen Tätigkeiten erzielen die Lernenden gegen Ende der Ausbildung im Vergleich zu einer Fachkraft im Betrieb einen Leistungsgrad von 84 Prozent. Während der dreijährigen Lehrzeit summieren sich diese Leistungen abzüglich der Kosten auf gut 36000 Franken.

Der Anteil an Fachkrafttätigkeiten nimmt im Laufe der Lehre zu und erreicht am Ende 75 Prozent.
Quelle: Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB

Bei den MPA beträgt dieser Nettonutzen ungefähr die Hälfte, er liegt aber ebenfalls deutlich über dem Durchschnitt aller untersuchten Berufe. Der Anteil produktiver Fachkrafttätigkeiten sowie der Leistungsgrad sind zum Ausbildungsende hin ähnlich wie bei den DA (siehe nächste Abbildung).

Der Anteil an Fachkrafttätigkeiten nimmt im Laufe der Lehre zu und erreicht am Ende 75 Prozent.
Quelle: Eidgenössische Hochschule für Berufsbildung EHB

Von „hinlänglich bekannt“ bis „sehr überraschend“: So äussern sich die Berufsverbände
 

Die Berner Sektion der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO Bern) bestätigt, dass angehende Dentalassistent:innen während der Lehrzeit viel Fachkraftarbeit erledigen. Das Lernen durch Wiederholung am Arbeitsplatz sei dabei essenziell. «Einer Verkürzung der Ausbildungszeit steht die SSO Bern daher kritisch gegenüber.» Der Berufsverband betont zudem, dass die Löhne für das erste Lehrjahr bereits von 550 auf 650 Franken erhöht worden seien. «Inwiefern die vorliegenden Studienergebnisse zu weiteren Lohnerhöhungen führen werden, ist schwer vorherzusagen», so das Statement der SSO Bern.
 

Der Nutzen von MPA-Lehrstellen für alle Beteiligten sei im schweizerischen Bildungssystem hinlänglich bekannt, kommentiert derweil die Aerztegesellschaft des Kantons Bern. Eine allfällige Kompetenzerweiterung oder Verkürzung der Lehrzeit müssten in der laufenden Revision der Bildungsverordnung auf eidgenössischer Ebene vertieft geprüft werden. «Eine solche Umfrage stellt dabei ein Puzzlestück dar, das es mit allen anderen hier nicht genannten relevanten Faktoren zu berücksichtigen gilt.» In eine ähnliche Richtung zielt die Stellungnahme bezüglich Lohnanstieg. Die Lernendenlöhne seien von verschiedenen Faktoren abhängig. Die Entschädigung mache zudem bloss einen Teil der Arbeitsbedingungen aus: «Wesentlich sind u.a. auch die Wertschätzung durch den Betrieb, das Verhältnis zu den Mitarbeitenden und Weiterbildungsmöglichkeiten.»
 

«Sehr überrascht» von den Studienergebnissen zeigt sich hingegen Hansueli Käser, Hausarzt und Vorstand im Verein für medizinische Assistenzberufe. Die Ausbildung von Lernenden sei sehr ressourcenintensiv. Einzig gegen Lehrende hin hält es Käser für möglich, dass ein Nettonutzen resultiere. Die Qualität der MPA-Ausbildung sei hoch, die Anforderungen ebenso. Deshalb spricht sich der Hausarzt klar gegen eine Verkürzung der Lehrzeit oder eine Inhaltserweiterung aus: «Noch mehr Effizienz von unerfahrenen jungen Menschen zu verlangen, würde zu Überforderung führen.» Ganz grundsätzlich plädiert Hansueli Käser für mehr Wertschätzung des MPA-Berufs, die sich auch positiv auf die Löhne auswirken könnte. Hier sei unter anderem die Politik gefragt, indem sie die knapp bemessenen Tarife für medizinische Dienstleistungen erhöhe.

 

Autor: Julian Zahnd

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