14. September 2026

Der heisse Sommer hat unseren Körper teilweise lahmgelegt, aber auch manchen Gedanken freigesetzt – etwa jenen, wie die Unterrichtsqualität während Hitzeperioden gewährleistet werden kann.

Werden in der be-med bald Klimaanlagen installiert? Braucht das Haus gar eine Gesamtsanierung oder wird der Unterricht künftig in die kältere Jahresperiode verlegt? Direktorin Rahel Räz und Christoph Haenssler von der Gebäude-Eigentümerschaft erörtern im Gespräch mögliche Massnahmen für die Zukunft.

Interview: Julian Zahnd

Christoph Haenssler und Rahel Räz im Gespräch. Bilder: Julian Zahnd
Christoph Haenssler im Gespräch mit Rahel Räz. Auch im September zeigt das Thermometer im 3. Stock noch über 28 Grad an. Bilder: Julian Zahnd
Auch im September zeigt das Thermometer im 3. Stock noch über 28 Grad an.
Zoom: Christoph Haenssler und Rahel Räz im Gespräch. Bilder: Julian Zahnd

Wir befinden uns im 3. Stock der be-med, Gruppenraum Nr. 306. Wenn Sie sich im Zimmer umschauen, was denken Sie: Sind wir für die Hitze gerüstet?

Rahel Räz: Zuerst einmal: Dieser Sommer war für viele zu heiss - auch für die be-med. Es braucht somit Massnahmen, um mit den veränderten Bedingungen besser umgehen zu können. Mir fehlt hier oben vor allem die Beschattung – sei dies durch mehr Bäume oder eine Holzverkleidung vor den Fenstern.

Christoph Haenssler: Eine solche Holzverkleidung könnte die Situation verbessern, wäre aber Teil eines grösseren Investitionsprojekts, das es zu koordinieren gälte. Im Zuge eines solchen Vorhabens müsste man sicher auch die Fassadendämmung und Weiteres anschauen.
 

Wie sieht es mit Wärmepumpen aus? Solche Systeme können ja nicht nur Räume beheizen, sondern auch herunterkühlen.

Christoph Haenssler: Die be-med ist am Fernwärmenetz der KVA angeschlossen. Ein neues Heiz-Kühl-System wäre ein grosser Kostenpunkt.

Rahel Räz: Bei einer Gesamtsanierung hätten wir vor allem ein Platzproblem, da die Lernenden temporär in ein neues Gebäude ziehen müssten. Die Stadt hat derzeit schon einige andere Bauprojekte am Laufen, eine solche «Züglete» wird in den nächsten paar Jahren deshalb nicht möglich sein.


Widmen wir uns in dem Fall den kurzfristigen Massnahmen, die leichter umzusetzen sind. Wo gibt es da Verbesserungspotenzial?

Christoph Haenssler: Deckenventilatoren würden mir persönlich gefallen, die meisten Räume sind dafür aber zu tief.

Rahel Räz: Deshalb müssen wir noch mehr Standventilatoren beschaffen. Wir werden im Winter wiederum auf Einkaufstour gehen und planen, die Anzahl Ventilatoren zu verdoppeln.


Die Storen lassen ziemlich viel Licht, dafür wenig Luft durch. Gäbe es Alternativen?

Christoph Haenssler: Ja, man könnte durchaus prüfen, ob es ein Material gibt, das Licht und Wärme besser fernhält.


Klimaanlagen erhalten inzwischen breiten politischen Zuspruch. Werden auch die Räume der be-med bald heruntergekühlt?

Beide: Nein.
 

Warum nicht?

Christoph Haenssler: Eine Installation, die so viel Strom frisst, ist meines Erachtens nicht nachhaltig und verschärft das Problem der Klimaerwärmung. Wir müssten somit den gesamten Strombedarf selbst decken können, etwa mit Solarstrom vom Dach. Aber dafür reicht unsere Dachfläche vermutlich nicht. Auch die Klimatisierung des ganzen Hauses würde eine grosse Sanierung bedeuten, womit wir wieder beim Grundproblem des bis zirka 2035 nicht vorhandenen Schulraums in der Stadt Bern wären…

Rahel Räz: Auch ich finde den Bau von Klimaanlagen nicht zielführend. Sinnvoller scheinen mir Anpassungen beim Schulsystem.


Woran denken Sie konkret?

Rahel Räz: Die Sommerferien sind gegenwärtig zu kurz und müssten um einige Wochen verlängert werden – dies auf Kosten der übrigen Ferien. Als Schule können wir eine solche Änderung aber nicht herbeiführen. Hier ist die Politik gefragt.


Hat man das Problem dort genügend erkannt?

Rahel Räz: Ich weiss zumindest, dass das Thema Hitze im Mittelschul- und Berufsbildungsamt MBA diskutiert wird. Wo genau man steht, kann ich aber nicht sagen.


Was kann die Schule kurzfristig und selbstständig unternehmen?

Rahel Räz: Bereits heute verlegen wir den Unterricht nach Möglichkeit in die unteren Geschosse, wo die Temperaturen deutlich angenehmer sind. Von einem weiteren interessanten Ansatz habe ich kürzlich aus einer anderen Berufsfachschule erfahren: Dort wird der Unterricht im Sommer auf Home-Unterricht umgestellt, sobald die Temperaturen an drei oder mehr aufeinanderfolgenden Tagen über 30 Grad liegen. Derzeit kläre ich ab, welche Erfahrungen die betreffende Schule mit dieser Regelung gemacht hat. Je nach Rückmeldung könnte ich mir gut vorstellen, eine vergleichbare Massnahme auch bei uns einzuführen.

Christoph Haenssler: Denkbar wäre auch, mit dem Unterricht früher zu beginnen, da sich die Räume erst im Laufe des Tages richtig aufheizen. Man müsste allerdings die Anfahrtswege der Lernenden beachten und sie allenfalls nach Gruppen aufteilen.

Rahel Räz: So wirksam das auch wäre: Ich vermute da gewisse Widerstände – und zwar von Lernenden wie von Lehrpersonen.

Christoph Haenssler: Organisatorisch wäre das herausfordernd. Aber es läge im Zuständigkeitsbereich der Schule und liesse sich leicht umsetzen.


Zusammenfassend lässt sich also sagen: Grössere bauliche Massnahmen liegen in der Kompetenz des Kantonsund derzeit in weiter Ferne. Kleinere Investitionen in bessere Storen, Ventilatoren und ähnliches sind fürs nächste Jahr aber realistisch. Auch in Bezug auf die Unterrichtszeiten darf man mit gewissen Not-Massnahmen rechnen.

Rahel Räz: Ja. Ich denke, dass die nahe Zukunft so aussieht. Wir brauchen in erster Linie ein Set an Handlungsmöglichkeiten, das es uns erlaubt, auf extreme Hitzeperioden zu reagieren. Im Übrigen weiss ja niemand, ob der nächste Sommer wieder so heiss wird wie der diesjährige.
 

Falls er es doch wird: Was ist Ihr persönlicher und tauglichster Tipp gegen die Hitze?

Christoph Haenssler: Die Aare.

Rahel Räz: Für mich spielt die innere Einstellung eine wichtige Rolle. Auch mir war es im Büro phasenweise zu heiss. Dennoch habe ich versucht, der jeweiligen Situation auch positive Seiten abzugewinnen – beispielsweise die Aussicht darauf, sich nach einem anstrengenden Tag an einem schattigen Ort zu erholen und den Sommer zu geniessen. Gleichzeitig ist es mir wichtig, die bestehenden Herausforderungen ernst zu nehmen und nach pragmatischen Lösungen zu suchen, die im Alltag tatsächlich umsetzbar sind.


Das Mittelschul- und Berufsbildungsamt MBA wurde von der be-med-Redaktion Mitte August um eine Stellungnahme zum Thema Hitze gebeten. Die Antwort steht noch aus.

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